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Zu den merkwürdigsten Kometen, welche jemals beobachtet worden sind, gehört derjenige, den Edwin Holmes in London am 6. November 1892 auffand. Das Gestirn
stand damals in der Nähe des Andromedanebels und erschien als helle, kreisrunde Nebelmasse von 5’ Durchmesser mit zentraler Verdichtung. In den nächsten Tagen änderte sich die Helligkeit des Kometen nur wenig, dann nahm sie
allmählich ab, wobei sich die Nebelhülle gegen Ende November bis zu 30’ im Durchmesser, also bis zur scheinbaren Größe der Mondscheibe ausdehnte. Eine am 10. November von E. E. Barnard aufgenommene Photographie zeigte einen
runden, deutlich begrenzten Kern und im Südosten des Kometen eine große, unregelmäßig geformte Nebelmasse, die mit ihm durch einen schwach und verwaschen aussehenden Dunstschweif verbunden war. Im November konnte man den Kometen
noch mit bloßem Auge erkennen, Anfang Dezember an mäßigen Ferngläsern, dann aber wurde er plötzlich überaus lichtschwach, so daß ihn nur noch die größten Refraktoren darstellten. So blieb das Gestirn bis zum 14. Januar 1893, aber
am 16. war es in ein fixsternartiges Objekt 7.5 Größe mit sehr kleiner Nebelhülle verwandelt, die in den nächsten Tagen zunahm und schließlich 2’ Durchmesser erreichte. Mitte Februar war der Komet wieder ein blasser
Nebelfleck und Anfang April verschwand er selbst für die größten Fernrohre. Die Bahnberechnung ergab, daß der Komet am 13. Juni 1892 seine Sonnennähe erreichte, und daß bei einer Umlaufszeit von 6.9 Jahren, seine ganze Bahn von der
Jupiterbahn umschlossen wird, auch ist diese Bahn nur wenig mehr elliptisch als die Bahnen einiger kleinen Planeten. Diese auffallende Eigentümlichkeiten werden noch vermehrt durch den Umstand, daß der Komet, gemäß seiner Bahnlage,
schon vor seiner Entdeckung mehrere Monate hindurch in beträchtlicher Helligkeit am Himmel gestanden haben muß. Allein wenn dieses der Fall gewesen wäre, so würde er sicherlich gesehen worden sein, und es bleibt daher nur übrig
anzunehmen, daß der Komet erst kurz vor dem 6. November 1892 und ziemlich plötzlich beträchtlich heller geworden ist. Eine frühere plötzliche Helligkeitszunahme ist in der That wahrscheinlich, da solche auch später am 16. Januar
1893 wirklich beobachtet wurde, allein die Ursache derselben ist völlig rätselhaft. Auch das Spektrum dieses Kometen weicht von demjenigen aller andern ab, indem es sich als kontinuierliches Farbenband darstellte, in welchem weder
helle noch dunkle Linien sichtbar waren. Das physische Verhalten dieses Kometen ist demnach zur Zeit unerklärbar, und wir müssen abwarten, ob dieses Gestirn bei seiner nächsten Rückkehr zur Sonne im Mai 1899 wiedergesehen wird.
Beiläufig bemerkt macht E. E. Barnard darauf aufmerksam, daß bei dem von Sawerthal 1888 entdeckten Kometen ein bedeutender Lichtausbruch sich in der gleichen Himmelsgegend wie beim Holmes’schen Komet ereignete, ein
Zusammentreffen, das sehr merkwürdig ist.
Auszug aus “Astronomische Abende” von Dr. Hermann Joseph Klein (1844-1914), Köln 1897.
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